26 March 2026, 12:05

ARD testet 30-minütige Tagesschau – bringt mehr Länge wirklich bessere Nachrichten?

Schwarze-Weiß-Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift 'Weitpreubliche Zeitung', die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Umgebung zeigt.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – bringt mehr Länge wirklich bessere Nachrichten?

Die ARD testet eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe am Montagabend um 20:15 Uhr, die den üblichen 15-Minuten-Slot ersetzt. Der Schritt erfolgt, während die Einschaltquoten der traditionellen 20:00-Uhr-Ausgabe zwar stabil bleiben, in den vergangenen fünf Jahren aber leichte Rückgänge verzeichneten.

Zwischen 2021 und 2026 lag die Sendung im Schnitt bei 6 bis 7 Millionen Zuschauern pro Folge mit einem Marktanteil von 15 bis 18 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten digitale Formate wie die Tagesschau-App, TikTok-Clips und Podcasts ein starkes Wachstum – ein Hinweis darauf, dass sich das Publikum zunehmend kürzere, abrufbare Inhalte wünscht.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn schlug das erweiterte Format vor, um globale Ereignisse enger mit dem Alltag der Zuschauer zu verknüpfen. Er argumentiert, dass eine längere Sendedauer die Nachrichten relevanter für das persönliche Erleben machen könnte. Die ARD erhofft sich von der Änderung zudem mehr Vertrauen in die Medien und eine größere Zuschauerbindung.

Der Test hat unter Medienbeobachtern eine Debatte ausgelöst. Anna Mayr von der Zeit kritisierte, die Tagesschau brauche nicht mehr Zeit, sondern bessere Qualität. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung hinterfragte, ob die Jagd nach Alltagsrelevanz die richtige Strategie für einen öffentlich-rechtlichen Sender sei. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, lehnte den Plan ab und erklärte, 15 Minuten reichten aus – zudem warnte er vor Störungen im ARD-Abendprogramm.

In den vergangenen fünf Jahren blieben die Quoten der Tagesschau um 20:00 Uhr zwar stabil, zeigten aber leichte Rückgänge. Digitale Formate hingegen wuchsen rasant – allein die Abrufe kurzer Videos stiegen seit 2022 um 50 Prozent. Dieser Trend deutet darauf hin, dass das Publikum zunehmend schnelle, flexible Updates bevorzugt statt längerer Sendungen.

Die verlängerte Tagesschau wird zunächst montags in einem 30-minütigen Slot ausgestrahlt. Die ARD will prüfen, ob eine vertiefte Berichterstattung mehr Zuschauer anzieht und das Vertrauen in die öffentliche Berichterstattung stärkt. Der Versuch spiegelt den größeren Wandel wider, wie Nachrichten heute konsumiert werden: Digitale Formate gewinnen an Boden, während klassische TV-Nachrichten an Bedeutung verlieren.

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