Energiewende auf dem Prüfstand: Bundesregierung lockert Effizienzregeln für Unternehmen und Rechenzentren
Anna HuberEnergiewende auf dem Prüfstand: Bundesregierung lockert Effizienzregeln für Unternehmen und Rechenzentren
Die deutsche Bundesregierung hat Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Die Änderungen mildern die Vorgaben für Unternehmen und Betreiber von Rechenzentren – und lösen damit gemischte Reaktionen aus Wirtschaft und Umweltschutz aus.
Nach den neuen Regeln müssen Unternehmen nun mindestens 23,6 Gigawattstunden pro Jahr verbrauchen, um verpflichtende Energie- oder Umweltmanagementsysteme einführen zu müssen. Das Pharmaunternehmen Medice Health Family verzeichnete 2024 einen Verbrauch von 23,5 Gigawattstunden und liegt damit knapp unter der Grenze.
Für Rechenzentren gelten verlängerte Fristen: Statt zwei Jahren haben sie nun vier Zeit, um die Effizienzziele zu erreichen. Die Pflicht, den Stromverbrauch vollständig durch erneuerbare Energien auszugleichen, wurde auf 2030 verschoben. Zudem entfällt die Verpflichtung zur Abwärmenutzung, wenn vor Ort kein Fernwärmenetz existiert.
Das ursprüngliche Gesetz zielte darauf ab, Energieverbrauch und -verschwendung zu reduzieren, und sah strenge Auflagen für Rechenzentren vor. Während Wirtschaftsverbände die Reformen begrüßen, äußern Umweltschützer Bedenken. Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete die Änderungen als „deutliche Entlastung“ für die Wirtschaft. Kritiker wie Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch und Linda Klapdor von Greenpeace warnten hingegen vor höheren Emissionen und einer Schwächung der Klimaziele. Katharina Reuter vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft monierte, die Regierung habe es versäumt, wirtschaftliche Interessen mit dem Umweltschutz in Einklang zu bringen.
