Exklusiver Elite-Klub: Wie der Familienunternehmer-Kongress Privilegien und Lobbyismus verbindet
Anna SchmittExklusiver Elite-Klub: Wie der Familienunternehmer-Kongress Privilegien und Lobbyismus verbindet
Seit fast 30 Jahren trifft sich der Familienunternehmer-Kongress an der privaten Universität Witten/Herdecke. Beworben als Drehscheibe für Innovation und verantwortungsvolles Unternehmertum, ist die Veranstaltung in Wahrheit ein exklusiver Zirkel für Firmen-Erben und ihre politischen Verbündeten. Die Teilnahme kostet 2.000 Euro – und steht ausschließlich Mitgliedern von unternehmerischen Familien offen.
Der Kongress gibt sich als Stimme des deutschen Mittelstands aus, der Säule mittelständischer Betriebe. Doch Recherchen zeigen: Viele Teilnehmer vertreten Großkonzerne, keine kleinen oder mittleren Unternehmen. Firmen wie Lapp, Würth oder die JDC Group – mit Umsätzen zwischen mehreren hundert Millionen und fast zwei Milliarden Euro – werden in Diskussionen oft genannt, auch wenn ihre direkte Beteiligung in diesem Jahr nicht bestätigt ist.
Im Mittelpunkt der Agenda stehen zwei zentrale Themen: die Wettbewerbsfähigkeit von Familienbetrieben sichern und ihr Vermögen vor Steuern schützen. Die Veranstaltungen sind eng mit der Stiftung Familienunternehmen verknüpft, einer Lobbyorganisation, die sich für den Erhalt großer Vermögen und die reibungslose Nachfolge in Dynastien einsetzt. Die Universität richtet den Kongress nicht nur aus Prestigegründen aus, sondern aus finanzieller Notwendigkeit – sie ist auf die wirtschaftlichen Netzwerke angewiesen, die sie hier knüpft.
Höhepunkt des Kongresses ist ein Galadinner, bei dem Studierende, die für Mindestlohn arbeiten, die Elite-Gäste bedienen. Hinter den Kulissen ist die Veranstaltung Teil eines größeren Systems, das unternehmensnahe Forschung, Lobbyarbeit und politischen Einfluss verbindet. Während die Organisatoren Austausch und Verantwortung betonen, argumentieren Kritiker, dass es in Wahrheit um den Schutz von Privilegien geht.
Der Familienunternehmer-Kongress bleibt eine geschlossene Veranstaltung, zugänglich nur für diejenigen mit der richtigen Abstammung und den nötigen Ressourcen. Seine politischen Ziele kreisen um Steuervermeidung und die Weitergabe von Vermögen über Generationen – gestützt durch ein Netzwerk aus Lobbyisten und wohlgesinnten Institutionen. Für die Universität sichert die Partnerschaft die Finanzierung, für die Teilnehmer ein weiteres Jahr an Einfluss.






