18 April 2026, 00:10

Karenztage scheitern: Warum Unternehmen jetzt auf Vertrauen statt Kürzungen setzen

Plakat mit dem Text "Beende den Job: Gesundheit sollte ein Recht sein, nicht ein Privileg" und einer Karte mit der Aufschrift "Mache niedrigere Gesundheitskosten permanent und schließe die Versorgungslücke für amerikanische Familien."

Karenztage scheitern: Warum Unternehmen jetzt auf Vertrauen statt Kürzungen setzen

Eine neue Debatte über Reformen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bringt deutsche Unternehmen dazu, ihre betrieblichen Gesundheitskonzepte zu überdenken. Statt Leistungen zu kürzen, setzen viele nun auf Vertrauen und bessere Arbeitsbedingungen. Ausgelöst wurde die Diskussion durch den Vorschlag von Karenztagen – einer vorübergehenden Aussetzung der Lohnfortzahlung –, der bei Gewerkschaften, Expert:innen und Politiker:innen gleichermaßen auf Kritik stößt.

Die Idee der Karenztage stammte vom ZEW-Forschungsinstitut und dem Kronberger Kreis und sollte die Effizienz des Systems erhöhen. Doch der Vorschlag trifft auf massiven Widerstand. Sowohl NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann als auch die Personalexpertin Magdalena Rogl lehnen ihn ab und argumentieren, dass eine solche Maßnahme Beschäftigte davon abhalten könnte, notwendige medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen.

Gewerkschaften und Sozialverbände teilen diese Bedenken. Sie warnen, dass Arbeitnehmer:innen bei gekürzter Lohnfortzahlung Arztbesuche meiden könnten, was zu unbehandelten Erkrankungen und längeren Ausfallzeiten führen würde. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), unterstrich diese Position: Eine Kürzung der Lohnfortzahlung verzögere nur die Genesung und erhöhe die Gesamtfehlzeiten.

Die politische Debatte hat unerwartete Auswirkungen auf die Wirtschaft. Statt auf gesetzliche Änderungen zu warten, handeln Unternehmen bereits selbst. Zwei Drittel der Befragten in der TK-Studie #whatsnext lehnten eine Kürzung der Lohnfortzahlung ab und setzen stattdessen auf eine gesündere Arbeitskultur. Auch das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales unterstützt diesen Ansatz und betont, dass Führungskräfte eine Schlüsselrolle für Empathie und Wohlbefinden am Arbeitsplatz spielen.

Ohne gesetzliche Grundlage können Karenztage nicht eingeführt werden. Der Fokus liegt daher weiterhin darauf, Vertrauen zu stärken und Arbeitsbedingungen zu verbessern – statt Leistungen zu kürzen.

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Der Widerstand gegen Karenztage hat zu einem Umdenken in der betrieblichen Gesundheitsförderung geführt. Unternehmen setzen nun vermehrt auf unterstützende Führung und bessere Arbeitsumfelder statt auf finanzielle Sanktionen. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Vertrauen und Prävention auf lange Sicht wirksamer sein könnten als Sparmaßnahmen, um Krankheitszeiten zu reduzieren.

Quelle