23 March 2026, 08:04

Millarden-Grab THTR-300: Warum Steuerzahler für den gescheiterten Atomreaktor blechen müssen

Diagramm eines Kernkraftwerks mit einem Haus, einem Turm und Wasser im Hintergrund, begleitet von erklärendem Text.

Millarden-Grab THTR-300: Warum Steuerzahler für den gescheiterten Atomreaktor blechen müssen

Die Stilllegung des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, belastet die Steuerzahler. Der mit öffentlichen Geldern finanzierte, fehleranfällige Reaktor war nur 423 Tage in Betrieb, bevor er 1989 abgeschaltet wurde. Nun bleibt sein Rückbau sowie die Lagerung des radioaktiven Abfalls eine kostspielige Altlast.

Der Bau des THTR-300 begann mit erheblichen öffentlichen Zuschüssen: Die Bundesregierung steuerte 1,284 Milliarden Euro bei, das Land NRW weitere 233 Millionen Euro. Ursprünglich als fortschrittliches Kernenergieprojekt konzipiert, kämpfte der Reaktor mit ständigen technischen Problemen – während seines kurzen Betriebs wurden 125 meldepflichtige Störfälle verzeichnet.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Brennelemente des Reaktors, teilweise mit waffenfähigem Material, sorgten bereits in den 1970er-Jahren für Sicherheitsbedenken. 1977 stoppte US-Präsident Jimmy Carter die Lieferungen von hochangereichertem Uran, um eine militärische Nutzung zu verhindern. Dennoch blieb der Reaktor bis zu seiner endgültigen Abschaltung in Betrieb.

Seit der Stilllegung sind bereits rund 441 Millionen Euro für den Rückbau aufgewendet worden: Der Bund übernahm 133 Millionen Euro, NRW 152 Millionen Euro. Die insolvente Betreiberfirma, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), entzieht sich jedoch ihrer Verantwortung. Auch die Anteilseigner – darunter die Energiekonzerne RWE und E.ON sowie mehrere Kommunen – weigern sich, sich an den Kosten zu beteiligen.

Der Reaktor befindet sich derzeit im sogenannten "sicheren Einschluss", ein Zustand, der vorerst bis 2027 andauern soll. Die Vorbereitungen für den Rückbau beginnen 2028 und sollen bis 2044 dauern. In der Zwischenzeit lagern in Ahaus 305 Castor-Behälter mit etwa 675.000 bestrahlten Brennelement-Kugeln in einem Zwischenlager. Diese Behälter sind Teil des deutschen Bestands von rund 1.900 Castor-Einheiten, für die es noch immer keine endgültige Entsorgungslösung gibt.

Das Erbe des THTR-300 umfasst eine anhaltende finanzielle Belastung für die öffentlichen Haushalte und ungelöste Fragen zur Endlagerung des Atommülls. Ohne ein fertiges Endlager werden die strahlenden Kugeln noch Jahre in Zwischenlagern verbleiben. Das gescheiterte Projekt zwingt die Steuerzahler, sowohl für die früheren Investitionen als auch für die künftigen Rückbaukosten aufzukommen.

Quelle