Nora Burgard-Arps Debüt Wir nicht entfacht Debatte über Abtreibungsrechte in Bottrop
Anna HuberNora Burgard-Arps Debüt Wir nicht entfacht Debatte über Abtreibungsrechte in Bottrop
Autorin Nora Burgard-Arp stellt Debütroman Wir nicht in Bottrop vor – zum Auftakt des Safe Abortion Day
Am 26. September 2025 präsentierte die Schriftstellerin Nora Burgard-Arp in Bottrop ihren Debütroman Wir nicht – nur zwei Tage vor dem internationalen Tag für sichere Abtreibung am 28. September. Die Lesung im Film Forum der VHS Bottrop war mit einem vollen Haus und lebhaften Debatten über reproduktive Rechte in einer dystopischen Zukunft verbunden, in der Frauen über ihren Körper nicht mehr frei entscheiden dürfen.
Im Mittelpunkt des Romans steht Mathilda, eine junge Frau, die gesellschaftliche Ungerechtigkeiten lange schweigend hinnimmt – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zu radikalen Schritten zwingt, um die Kontrolle über ihren Körper zurückzugewinnen. Die Lesung wurde vom Bottroper Gleichstellungsbüro organisiert, das sich weiterhin für eine Reform der seit Jahrzehnten kaum veränderten Abtreibungsgesetze in Deutschland einsetzt.
Burgard-Arp las Auszüge aus Wir nicht vor einem Publikum aus Schüler:innen und Anwohner:innen, die auf Einladung von Lehrkräften und dem Gleichstellungsbüro gekommen waren. Der Eintritt war frei, doch die anschließende Signierstunde am – schnell ausverkauften – Büchertisch der Partnerbuchhandlung Humboldt zog lange Schlangen an.
Nach der Lesung verlagerte sich die Diskussion auf aktuelle Parallelen: Deutschlands Abtreibungsrecht basiert im Kern auf dem Schwangerschaftskonfliktgesetz von 1995, das Abbrüche unter strengen Auflagen straffrei stellte – darunter eine Pflichtberatung drei Tage vorher, kein Honorar für Ärzt:innen und eine Frist von zwölf Wochen. Ausnahmen gibt es bei medizinischen Indikationen oder Embryopathien bis zur 22. Woche. Doch trotz einer Überprüfung durch die Ampelkoalition 2021 blieb eine grundlegende Reform aus.
Für ihren Roman recherchierte Burgard-Arp unter anderem in rechtsextremen Telegram-Gruppen und analysierte deren Sprache – eine Grundlage für die Schilderung einer Gesellschaft, in der körperliche Selbstbestimmung systematisch bedroht wird. Die anschließende Debatte kreiste um die politische Verantwortung jedes Einzelnen, eine solche Zukunft zu verhindern.
Der Tag für sichere Abtreibung, 1990 erstmals begangen, fordert den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen als grundlegendes Gesundheitsrecht. Das Bottroper Gleichstellungsbüro setzt sich seit Langem für eine Anpassung der Gesetze ein – mit dem Argument, dass der noch teilweise gültige Strafrechtsparagraph von 1871 moderne ethische und medizinische Maßstäbe nicht mehr abbilde.
Am Ende verließen die Gäste die Veranstaltung mit signierten Büchern und einem Appell zum Handeln. Burgard-Arps Roman, basierend auf akribischer Recherche, ist zugleich Warnung und Diskussionsanstoß zum Thema reproduktive Rechte.
Während Deutschlands Abtreibungsregelungen weiterhin am Kompromiss von 1995 hängen, zeigen Initiativen wie die Bottroper Lesung: Vor Ort wird weiter für die Überwindung veralteter Vorschriften gekämpft. Die Debatte machte deutlich – der Kampf um körperliche Selbstbestimmung ist für viele noch lange nicht vorbei.






