Solingen 1993: Wie Mevlüde Genç nach dem Brandanschlag Versöhnung stiftete
Lea HartmannSolingen 1993: Wie Mevlüde Genç nach dem Brandanschlag Versöhnung stiftete
Am 29. Mai 1993 erschütterte ein tödlicher Brandanschlag in Solingen die Stadt und das ganze Land: Fünf Mitglieder der Familie Genç kamen ums Leben. Mevlüde Genç verlor bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Trotz dieses unermesslichen persönlichen Verlusts rief sie kurz nach der Tat zu Freundschaft und Versöhnung zwischen Deutschen und Türken auf. Ihre Worte halfen, die Spannungen zu entschärfen und weitere Unruhen in Solingen zu verhindern. Die Familie entschied sich, trotz ihrer Trauer in der Stadt zu bleiben.
Genç sah in dem Anschlag die Gefahren ungebremsten Fremdenhasses und Rassismus offenbart. Sie setzte sich dafür ein, das Andenken an ihre Kinder in der Erinnerungskultur Solingens lebendig zu halten. Für ihren Mut und ihre Mitmenschlichkeit wurde sie als Mutter von großer Stärke und Empathie bewundert.
Tim-O. Kurzbach, der Oberbürgermeister Solingens, gelobte später, das Gedenken an die Familie Genç für kommende Generationen zu bewahren. Ihr Wirken trug zudem zu neuen Integrationspolitiken in Solingen und darüber hinaus bei.
Der Brandanschlag hinterließ tiefe Wunden, doch Mevlüde Gençs Haltung prägte ein bleibendes Erbe. Ihre Aufrufe zu Einheit und Erinnerung beeinflussten lokale und nationale Ansätze der Integration. Die Stadt Solingen gedenkt bis heute der Opfer und bewahrt ihre Botschaft.
