Solinger Politiker lehnen geplante ABC-Kurse für Sprachförderung ab
Politiker in Solingen haben Bedenken gegen die geplanten ABC-Kurse in Nordrhein-Westfalen zur frühen Sprachförderung geäußert. Sowohl CDU als auch die Grünen kritisieren den aktuellen Entwurf als fehlerhaft. Sie warnen, dass es mehr schaden als nützen könnte, Kinder aus ihrem gewohnten Kita-Alltag herauszunehmen.
Kernpunkt der Kritik ist die Idee, Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf aus ihren regulären Kita-Gruppen zu nehmen. Die lokale Politikerin Maja Wehrmann betonte, dieser Ansatz könnte etablierte Lernroutinen stören und die Gefahr berge, die betroffenen Kinder zu stigmatisieren. Jessica Schliewe ergänzte, dass Sprachkompetenzen am besten in vertrauter Umgebung entwickelt würden – dort, wo Vertrauen und tägliche Interaktionen eine zentrale Rolle spielten.
Auch Fachleute von Organisationen wie AWO, KRF und der Landeselternschaft NRW melden sich zu Wort. Sie verweisen auf erfolgreiche Modelle in anderen Regionen, in denen Sprachförderung fest in den Kita-Alltag integriert ist. Spielbasiertes Lernen, stabile Bezugspersonen und inklusive Formate hätten sich als wirksamer erwiesen als separate, schulähnliche Angebote.
Simone Lammert wies auf ein weiteres Problem hin: Die ABC-Kurse könnten ein Parallelsystem schaffen, statt bestehende Strukturen zu verbessern. Viele Beteiligte wissen nicht, wie das neue Modell in die aktuellen Rahmenbedingungen eingebunden werden soll – was die Planung für Kommunen erschwert.
Statt der Einführung der ABC-Kurse fordern CDU und Grüne in Solingen eine Stärkung der bestehenden Kitas. Sie plädieren für bessere Finanzierung von Programmen wie Kibiz und Chancen-Kitas sowie für ein verpflichtendes Kita-Vorschuljahr. Ihr Vorschlag sieht zudem eine engere Abstimmung zwischen Land und Kommunen vor, um überflüssige Bürokratie zu vermeiden.
Die Debatte in Solingen spiegelt eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem ABC-Kurs-Modell wider. Lokale Politiker und Expert:innen sind sich einig, dass die Stärkung bestehender Kita-Strukturen sinnvoller wäre als die Schaffung neuer Angebote. Die Zukunft des Vorhabens bleibt vorerst ungewiss – die Diskussionen dauern an.






