Wie TMZ und The Star die Lücken der geschwächten Washington Post füllen
Amelie SchmidtWie TMZ und The Star die Lücken der geschwächten Washington Post füllen
Die Redaktion der Washington Post hat sich nach dem Abbau von fast einem Drittel ihrer Belegschaft im Februar 2023 drastisch verkleinert. Diese Kürzungen haben Lücken in der lokalen und politischen Berichterstattung hinterlassen – und damit Raum für neue Akteure geschaffen. Ein überraschender Konkurrent ist ausgerechnet TMZ, das mit seiner aggressiven, paparazzihaften Herangehensweise an die Berichterstattung über Politiker für Aufsehen sorgt.
TMZs Methoden in Washington sind nicht völlig neu. Schon vor Jahrzehnten setzten Journalisten wie Mike Wallace auf Überraschungsinterviews, um öffentliche Persönlichkeiten unter Druck zu setzen. Jetzt belebt TMZ diesen konfrontativen Stil wieder: Die Reporter jagen Abgeordneten nach, um ungestellte Momente und direkte Fragen einzufangen. So konfrontierte das Portal etwa die demokratische Abgeordnete Lateefah Simon aus Kalifornien unerwartet mit Fragen zum Tod ihres Vaters am 20. April – eine Situation, die sie sichtbar überumpfing.
Anders als etablierte Medien verfügt TMZ nicht über akkreditierte Presseausweise für den Kongress. Diese Einschränkung zwingt die Reporter dazu, sich auf spontane "Gehen-und-Reden"-Interviews vor Bürogebäuden zu verlassen. Zudem animiert das Portal die Öffentlichkeit, Schnappschüsse von Politikern einzusenden – wie etwa das weit verbreitete Foto, das den republikanischen Senator Lindsey Graham aus South Carolina mit einem Zauberstab in Disney World während eines Regierungsstillstands zeigt.
Unterdessen positioniert sich NOTUS mit einer Umbenennung in The Star neu und will genau die Bereiche besetzen, die die Washington Post vernachlässigt hat – vor allem Lokales und Sport. Kritiker wie die ehemalige Wonkette-Bloggin Ana Marie Cox befürchten, dass dieser Wandel die schlimmsten Klischees über die Politik in Washington noch verstärken könnte. Andere loben hingegen TMZs frühe Enthüllungen, die das Verhalten von Abgeordneten abseits der Hauptstadt dokumentieren – etwa während der jüngsten Kongresspause, als viele Politiker die Stadt verließen, obwohl das Heimatschutzministerium lahmgelegt war.
Mit der geschwächten Washington Post füllen Medien wie TMZ und The Star die entstandene Lücke auf unterschiedliche Weise: Während TMZ mit bildlastiger, provokativer Berichterstattung die politische Berichterstattung umkrempelt, setzt The Star auf mehr Tiefe in lokalem Journalismus und Sport. Die Veränderungen spiegeln einen größeren Wandel wider – weg von traditionellen Formen der Nachrichtenbeschaffung hin zu neuen, oft polarisierenden Ansätzen, die das Publikum in Washington erreichen.






