Das vergessene Leid der Gastarbeiter: Einsamkeit und fehlende medizinische Hilfe im Alter
Anna HuberDas vergessene Leid der Gastarbeiter: Einsamkeit und fehlende medizinische Hilfe im Alter
Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um die Arbeitsmarktlücken nach dem Zweiten Weltkrieg zu schließen. Viele kamen im Rahmen des "Gastarbeiterprogramms" ins Land – in der Erwartung, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Doch mit der Zeit blieben sie, und die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert waren, wirken bis heute nach – besonders bei älteren Migrantinnen und Migranten, die mit Einsamkeit und Hürden im Gesundheitswesen kämpfen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren holte Deutschland Arbeiterinnen und Arbeiter aus Ländern wie der Türkei, um die Wirtschaft zu stärken. Regierung und Arbeitgeber gingen damals davon aus, dass diese Menschen wieder ausreisen würden – Integration oder Sprachkurse wurden kaum angeboten. Als der Arbeitskräftemangel jedoch anhielt, wurde das Rotationsprinzip aufgegeben, und viele blieben auf Dauer.
Für ältere Migrantinnen und Migranten hatte dieser mangelnde Vorbereitungsgrad langfristige Folgen. Die Mutter von Fatih Çevikkollu etwa, die in der Türkei als Grundschullehrerin gearbeitet hatte, nähte in Deutschland als Textilarbeiterin – ein Abstieg, der bei ihr ein tiefes Gefühl des "Statusverlusts" auslöste. Im Alter lebte sie allein, litt vermutlich unter Psychosen, erhielt aber nie eine angemessene psychiatrische Behandlung.
Einsamkeit ist unter älteren Migrantinnen und Migranten weit verbreitet und führt häufig zu psychischen Belastungen. Kulturelle Unterschiede im Verständnis von Krankheit erschweren zudem die Behandlung. Aktuell nutzen nur etwa zehn Prozent der über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund psychiatrische Angebote in Deutschland.
Fachleute fordern mehr interkulturelle Unterstützung – etwa medizinische und therapeutische Ansätze, die auf die Erfahrungen älterer Migrantinnen und Migranten zugeschnitten und kultursensibel sind. Ohne solche Maßnahmen bleiben viele isoliert und ohne Behandlung.
Das Erbe des Gastarbeiterprogramms prägt noch immer das Leben älterer Migrantinnen und Migranten. Ein Ausbau interkultureller Dienstleistungen und ein besserer Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung könnten helfen, ihre besonderen Herausforderungen zu bewältigen. Ohne gezielte Unterstützung werden Einsamkeit und unbehandelte Erkrankungen für diese Generation jedoch weiter bestehen.






