11 April 2026, 14:07

Der vergessene Ford-Streik von 1973 und sein Erbe für Migrant:innen in Deutschland

Schwarzes und weißes Foto einer deutschen Fabrik aus dem 19. Jahrhundert mit Arbeitern, die Maschinen bedienen, Metallstangen und Pfosten, beschriftet mit "Neue Eisengießerei, die erste Fabrik in Deutschland" unten.

Der vergessene Ford-Streik von 1973 und sein Erbe für Migrant:innen in Deutschland

Vor fünfzig Jahren markierte ein gewaltsamer Konflikt im Ford-Werk in Köln einen Wendepunkt für Migrant:innen in der deutschen Arbeitswelt. Am 30. August 1973 beendete die Polizei gemeinsam mit Werksschutzkräfte einen Streik, der vor allem von ausländischen Arbeiter:innen für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen geführt wurde – und zwar mit brutaler Härte. Das Ereignis gilt heute als Schlüsselmoment im Kampf um die Rechte von Migrant:innen in Deutschland.

Nun wirft ein neues Buch einen Blick zurück auf den Streik und seine bis heute nachwirkende Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Ausgelöst wurde der Arbeitskampf von Migrant:innen bei Ford, die eine zusätzliche Deutsche Mark pro Stunde sowie verbesserte Arbeitsbedingungen forderten. Viele von ihnen sahen sich Schikanen durch Vorarbeiter ausgesetzt, und sogar einige deutsche Kolleg:innen sollen sich an der Niederschlagung der Proteste beteiligt haben. Als die Auseinandersetzungen eskalierten, griffen Polizei und Werksschutz mit Gewalt ein und beendeten den Streik gewaltsam.

Der Ford-Streik stand nicht allein. Noch im selben Jahr kam es zu ähnlichen Arbeitsniederlegungen bei Pierburg in Neuss und bei Hella in Lippstadt – allesamt angeführt von migrantischen Beschäftigten. Diese Aktionen gelten heute als frühe Beispiele für die Selbstorganisation ausländischer Arbeiter:innen in Deutschland.

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Zum 50. Jahrestag trafen sich ehemalige Streikende bei Kongressen und öffentlichen Veranstaltungen. Ihre Erzählungen sowie Analysen zum Vermächtnis des Arbeitskampfs sind nun in dem Band "Der Streik hat mir als jungem Menschen geholfen" versammelt. Herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis, untersucht das Buch die Rolle von Gewerkschaften wie der IG Metall und des Betriebsrats während des Konflikts. Gleichzeitig zieht es Parallelen zu heutigen Kämpfen – etwa denen von Fahrradkurier:innen, die sich als Erben der Bewegung von 1973 sehen.

In jüngster Zeit erfährt der Ford-Streik auch in antirassistischen Debatten neue Aufmerksamkeit. Aktivist:innen und Historiker:innen betrachten ihn heute als grundlegenden Moment der Emanzipation von Migrant:innen in Deutschland. Der Streik von 1973 hinterließ tiefe Spuren in der Geschichte der Arbeiterbewegung und machte die Herausforderungen sichtbar, mit denen migrantische Beschäftigte in Deutschland konfrontiert waren. Das neue Buch bewahrt das Andenken an ihren Kampf und verknüpft die historischen Kämpfe mit den heutigen Forderungen nach gerechter Behandlung. Die Veranstaltungen zum 50. Jahrestag halten die Debatte wach und zeigen, wie das Erbe des Streiks bis heute inspiriert.

Quelle