Duisburgs Stahlindustrie vor radikaler Wende: Hochöfen werden 2027 abgeschaltet
Anna HuberDuisburgs Stahlindustrie vor radikaler Wende: Hochöfen werden 2027 abgeschaltet
Die Zukunft der Stahlproduktion in Duisburg verändert sich nach einem großen Deal zwischen Thyssenkrupp und der Salzgitter AG. Die Vereinbarung rettet die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) vor der Schließung, wird aber tiefgreifende Stellenstreichungen mit sich bringen. Eine Investition von 200 Millionen Euro soll die veralteten Hochöfen bis 2027 durch einen umweltfreundlicheren Lichtbogenofen ersetzen.
Seit mehr als einem Jahrhundert prägt HKM die industrielle Skyline von Duisburg. Nachts leuchten die Hochöfen des Werks, die manchmal ein gelbliches Licht über das nach der Anlage benannte Viertel werfen. Doch die beiden alternden Öfen werden bald abgeschaltet – das Ende einer Ära.
Laut dem neuen Abkommen steigt Thyssenkrupp vollständig aus HKM aus. Die Eigentumsverhältnisse verteilen sich künftig auf Salzgitter Mannesmann (30 Prozent), den Rohrhersteller Vallourec (20 Prozent) und vorerst noch Thyssenkrupp (50 Prozent). Die Salzgitter AG übernahm das am Rhein gelegene Werk – allerdings unter strengen Auflagen. Dazu gehört die vorzeitige Beendigung eines Liefervertrags mit HKM, drei Jahre früher als ursprünglich geplant.
Der Umstieg auf "grünen Stahl" wird Arbeitsplätze kosten. Fast 2.000 Beschäftigte müssen in den kommenden Jahren das Werk verlassen, nur etwa 1.000 Stellen sollen bleiben. Der neue Lichtbogenofen, der mit Strom statt mit Koks betrieben wird, soll vor allem Schrott einschmelzen. Dies steht im Kontrast zu Deutschlands breiter gefasster Strategie, die auf wasserstoffbasierte Stahlproduktion setzt und dafür bereits über 1,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln erhalten hat. Anders als andere Standorte verzichtet HKM vollständig auf die direkte Wasserstoffreduktion (DRI).
Aktuell produziert HKM über vier Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Unklar bleibt, wie hoch die künftige Ausbringungsmenge nach der Umstellung sein wird. Thyssenkrupp hat zudem eine nicht näher bezifferte Summe zugesagt, um die Transformation des Werks zu finanzieren, und strebt einen zügigen Rückzug an.
Der Deal sichert zwar das Überleben von HKM, verändert aber die Produktionsweise grundlegend. Das Werk verabschiedet sich von den traditionellen Hochöfen – und reduziert dabei sowohl Emissionen als auch Arbeitsplätze. Mit der Inbetriebnahme des ersten Lichtbogenofens 2027 beginnt für die Duisburger Stahlindustrie eine neue Phase, die auf Schrottrecycling statt auf Wasserstofftechnologie setzt.