Hunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern mehr Schutz
Anna SchmittHunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern mehr Schutz
Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Sonntag in der Bonner Innenstadt, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren und mehr Schutzmaßnahmen zu fordern. Die Kundgebung folgte einer größeren Demonstration in Köln am Vortag, an der über 5.000 Menschen für dasselbe Anliegen auf die Straße gegangen waren. Die Veranstalter betonten die wachsende Dringlichkeit des Themas in der gesamten Rheinregion.
An der Bonner Protestaktion beteiligten sich mehr als 500 Menschen auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus. Ein Bündnis aus Stadtratsfraktionen – Grünen, CDU, SPD und Volt – hatte die Kundgebung gemeinsam organisiert. In Redebeiträgen wurden Männer aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv gegen frauenfeindliche Einstellungen zu stellen.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für schärfere Gesetze zum Schutz von Frauen einzusetzen. Die Demonstration fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die öffentliche Debatte über digitale Gewalt durch die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, neu entfacht wurde. Fernandes wirft Ulmen vor, gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben.
Das Thema hat auch auf Bundesebene an politischer Bedeutung gewonnen. Nach einer Spiegel-Untersuchung aus dem Jahr 2024 zu dem Fall brachte die schwarz-rote Regierung einen Gesetzentwurf für elektronische Fußfesseln bei gewalttätigen Ex-Partnern auf den Weg – angelehnt an das spanische Modell. Justizminister Hubig bereitet zudem Reformen vor, um Deepfakes und sexualisierte Fälschungen zu bekämpfen. Kanzler Merz hatte bereits 2026 in einer Regierungssitzung von einer "explodierenden Gewalt" gesprochen, wobei er auch Vorfälle mit Migrantenbeteiligung nannte.
Die Bonner Demonstration reiht sich ein in eine Welle von Protesten in ganz Deutschland, die strengere Schutzmaßnahmen für Frauen fordern. Auf Bundesebene sind Reformen zu digitaler Gewalt und der Überwachung von Tätern bereits in Gang gesetzt. Der öffentliche Druck hält das Thema weiterhin weit oben auf der politischen Agenda.






