Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Anna SchmittAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Eine beliebte Soul-Sängerin auf Spotify gerät in die Kritik, nachdem Vorwürfe aufkamen, sie könnte gar nicht real sein. Sienna Rose, die fast zwei Millionen monatliche Hörer verzeichnet, steht im Verdacht, eine von KI generierte Künstlerin zu sein. Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) führen ihre Ursprünge zu einem Label zurück, das sich auf künstlich erschaffene Pop-Akte spezialisiert hat.
Das Rätsel um Rose vertiefte sich, als eine Version der Sängerin – eine rothaarige Figur – nach den Ermittlungen plötzlich aus den sozialen Medien verschwand. Doch ihr Profil mit Afro-Look bleibt aktiv und bringt den Machern allein durch Streams wöchentlich über 2.000 Euro ein.
Erste Fragen zu Sienna Rose tauchten auf, als Internetrechercheure ungewöhnliche Muster entdeckten. Ihr plötzlicher Aufstieg und die spärliche Aktivität in den sozialen Medien weckten Misstrauen. Dann sorgte ein viraler Moment mit Selena Gomez für weitere Diskussionen: Die Sängerin teilte einen Song von Rose auf Instagram – und löste damit Spekulationen aus, ob es sich bei der Künstlerin überhaupt um einen Menschen handle.
Das Team des Bayerischen Rundfunks ging der Sache nach und brachte Rose mit Nostalgic Records in Verbindung, einem Label, das für KI-generierte Acts bekannt ist. Dessen Produzent, Maksim Muravjov, arbeitet mit Hafsteinn Runarsson zusammen, einem KI-Experten, der Pop-Avatare entwirft und Kurse anbietet, wie man mit künstlicher Intelligenz Geld verdient. Ihre Partnerschaft legt nahe, dass Rose nur eine von vielen digitalen Kreationen sein könnte.
Das Problem beschränkt sich nicht auf eine einzelne Künstlerin. Eine Studie des Musikstreamingdienstes Deezer ergab, dass 97 Prozent der Hörer KI-generierte Musik nicht von menschlichen Auftritten unterscheiden können. Noch bemerkenswerter: 85 Prozent der Streams künstlicher Künstler sollen angeblich von Bots stammen. Der YouTuber Rick Beato wirft Spotify vor, KI-Tracks aus Profitinteresse zu pushen – und verweist auf Millionen von täglichen Uploads, die die Plattform fluten.
Die UNESCO warnt, dass menschliche Musiker bis 2028 fast ein Viertel des Marktes an KI-generierte Inhalte verlieren könnten. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnten gefälschte Künstler die Streaming-Dienste dominieren und die Musikbranche grundlegend verändern.
Die Ermittlungen zu Sienna Rose zeigen, wie stark KI die Musikindustrie bereits prägt. Während ihr Afro-Profil weiterhin Streams sammelt, verschwand die rothaarige Version nach den Nachforschungen. Da Labels wie Nostalgic Records mit künstlichen Acts Profite machen, verwischt die Grenze zwischen echten und synthetischen Künstlern zusehends.
Angesichts der Kritik an Streaming-Plattformen, die KI-Inhalte fördern, wird die Debatte über Authentizität – und ihre finanziellen Folgen – weiter an Fahrt aufnehmen.