Steffi: Wie die DDR-Puppe Barbie mit sozialistischem Charme herausforderte
Anna HuberModepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR-Puppe Barbie mit sozialistischem Charme herausforderte
1966 brachte die DDR mit Steffi ihre eigene Antwort auf westliche Modepuppen wie Barbie und Petra auf den Markt. Als sozialistisches Pendant entwickelte sie sich schnell zu einer Kultfigur hinter dem Eisernen Vorhang. Anders als ihre westlichen Konkurrentinnen verkörperte Steffi mit ihrem Aussehen und ihrer Garderobe die Werte und Ästhetik der DDR.
Geboren wurde Steffi in Waltershausen, einer kleinen Stadt im Thüringer Wald, die als Zentrum des DDR-Puppenbaus galt. Ihre Designerin, Margot Schmied, benannte sie nach der eigenen Tochter – ganz ähnlich wie Ruth Handler einst Barbie nach ihrer Tochter Barbara taufte. Gefertigt in der volkseigenen VEB Puppenfabrik Biggi, wurde Steffi mehr als nur ein Spielzeug: Sie brachte der DDR durch Exporte dringend benötigte Devisen ein.
Von Anfang an hob sich Steffi durch progressive Merkmale ab. Während Barbie jahrzehntelang fast ausschließlich weiß produziert wurde, gab es Steffi bereits früh in verschiedenen Hauttönen. Ihr Körperbau war kräftiger und erwachsener – eine realistischere Darstellung einer Frau als das idealisierte Schönheitsbild des Westens. Ihr Make-up orientierte sich am Zeitgeist der 1960er: dicke Eyeliner, grünlich-blaue Lidschatten und eine voluminöse Hochsteckfrisur prägten ihr Aussehen.
Auch ihre Garderobe war einzigartig. Mit etwa 15 bis 20 Berufsoutfits konnte Steffi als Krankenschwester, Lehrerin, Fabrikarbeiterin oder Sportlehrerin in Szene gesetzt werden. Besonders die Arbeitskleidung für Industrie und Landwirtschaft spiegelte die DDR-Arbeitskultur wider, während andere Kostüme – etwa im Stil der Interflug-Stewardessen – eine Prise Glamour mit praktischem Nutzen verbanden.
Heute sind die originalen Steffi-Puppen begehrte Sammlerstücke. Die Preise liegen je nach Zustand, Originalkleidung und Verpackung zwischen 20 und 200 Euro. Zu beachten ist, dass die heutige Steffi LOVE-Puppe der Simba-Dickie-Gruppe nichts mit dem DDR-Original zu tun hat.
Steffi bleibt ein nostalgisches Symbol für DDR-Design und -Ideologie. Mit ihren vielfältigen Outfits und ihrem realistischen Erscheinungsbild unterschied sie sich deutlich von den westlichen Puppen ihrer Zeit. Für Sammler verkörpert sie nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch eine einzigartige Alternative zu den gängigen Modepuppen.